AR plusoptiX A09Paul-Gerhard Mosch
Testbericht:
Autorefractor plusoptiX A09
Besten Dank an Herrn Mothes / Fa. Argus Individuell Optic, die das Screening-Gerät, den Autorefractor plusoptiX A09 neuster Generation zur Verfügung stellte.
Das Gerät misst als z.Zt. einzigster Autorefraktor zeitgleich beide Augen aus, und das schon ab Kleinstkindalter. Medientrübungen, Refraktionswerte, objektive Abweichungen in der Fixation der Augen, die Pupillendurchmesser und der Pupillenmittenabstand der Augen werden dabei mittels einer Videosequenz erfasst und auf einem Bildschirmscreen festgehalten. Messungen können auch über eine getragene Korrektion (Brille, Kontaktlinse) durchgeführt werden. Die Messung erfolgt automatisch im Fixabstand von einem Meter. Beim Ergebnis der Refraktion wird ein Korrekturfaktor von 1.0 dpt (Akkomodation) abgezogen.
An beiden Messetagen wurden insgesamt ca. 80 Personen teils mehrmals (mit und ohne Brille) vermessen und die Ergebnisse besprochen. Als zweiter Autorefraktor stand uns der i.profiler der Firma Carl Zeiss Vision mit Wellenfronttechnologie zur Verfügung.
Spontan positiv:
Sehr rasche Eingabe in den wenigen
Datenfeldern. (Name, Vorname, Geburtsdatum und Geschlecht.
Noch schneller ginge es über ein Netzwerk mittels einer ID-Nr., wurde uns mitgeteilt.
Negativ:
Angaben z.B. über den Lichtzustand hinterlegt werden nicht
festgehalten, (photopisch, mesotopisch, skotopisch). Es fehlen
diese Angaben bei einer späteren Durchsicht der
gespeicherten Daten.
Gravierender bleibt, dass mögliche Messungen über die
„Klienten-eigene-Brille“ oder eine den „Messbereich-
erweiternde-Brille“ (bsw. +3.0 dpt bds. (zur Erweiterung des
Messbereichs auf +8.0 dpt nicht bleibend vermerkt werden
kann.
Vorschlag:
Ein Scrollfenster mit ca. fünf frei wählbaren Variablen z.B.
1) Refraktion ohne Brille
2) Refraktion mit eigener Brille
3) Refraktion mit Brille bds. +3,00 dpt
4) Refraktion mit Brille bds. +5,00 dpt
5) Refraktion mit Brille bds. -5,00 dpt
Zwei Zusatz-Infos im Stammdatenblatt brächten so eine bessere Datenorientierung. Vervollständigt würde dies noch über ein mögliches Notizfeld: z.B. Zusatzangaben zur Messung.
Die Messungen selbst laufen sehr schnell und einfach ab. Der Augenoptiker / Optometrist kann diese gut vorab durchführen und gewinnt Zusatzinformationen, deren Erkenntnisse für ihn so direkt verwertbar sind. Von der Nutzung durch nicht gut eingeführtes Fachpersonal rate ich dagegen eher ab, da der Bildschirmscreen nichts über Messumgebung, Anordnung und Kundenvorbereitung verrät und diesbezügliche Informationen auch aufgrund des Infrarot-Sensors (elektronisch umgewandeltes schwarz/weiss Bild) dem Betrachter fehlen. So gibt es entweder >kein<, oder aber i.d.R. >ein Messergebnis<.
Im Unterschied zum Vorgängermodell "A08", dass über ein Notebook angesprochen wurde, und folglich nur zwei Einheiten (Notebook und Messkopf) benötigte, braucht der neue "A09" vier Teile mit Verkabelung oder über Funk angeschlossen. Basis und Messkopf rechne ich dabei schon als eine Einheit. Hinzu kommt: Maus, Tastatur und Monitor (Drucker?). Da der Monitor vom Klienten bei der Messung nicht eingesehen werden soll, jedoch zur Dateneingabe (z.B. bei der Namenseingabe) hilfreich einsehbar wäre, muss entweder der Klient seinen Standort wechseln, oder der Bildschirm schwenkbar angebracht sein, was einen deutlich höheren Platzbedarf auf dem Tisch erfordert.
Vorschlag:
Ein Touchscreen mit einblendbarer Tastatur müsste her, der idealer Weise noch adaptierbar an der Messkopf-Bedienerseite seinen Platz hätte. So wären wohl alle
Platz-, Bedien-, und Handhabungsprobleme behoben.
Als MKH-Anwender ist in meinen Augen ein weiterer Nachteil des Folgegerätes, dass die Videodaten nicht mehr, wie bei der Notebook-Version automatisch mit gespeichert werden. Denn diese Videosequenzen haben mich begeistert. Bislang gibt es keine objektiv gehaltene Kontrolle über Blickausrichtung und Blickfixierung und deren Streubereich, die so einfach und schnell ohne und mit (Prismen-)Brille getätigt werden kann und dabei Überrefraktionen, Pupillendurchmesser und PD quasi mitliefert. Das alles jetzt dokumentiert ist Gold wert und kann gar nicht hoch genug eingestuft werden.
Deshalb muss eine automatische Speicherung möglich werden. Z.Zt. ist diese über Stick oder Festplatte adaptierbar, muss aber beim Booten entkoppelt werden.
Kein anderes Sehprüfgerät misst Bi-zentral und liefert noch dazu ein Screening über Narben auf der HH, bzw. Trübungen der Augenmedien. Selbst Benetzungsprobleme beim Weichlinsentragen werden sichtbar gemacht. Durch die bi-zentrale Messung werden Anisometropien eindeutlich erkannt. Pupillendurchmesser ab 3,6 mm – 8.0 mm liefern verwertbare Datensätze. Bei Refraktionswerten im Plusbereich kann vorallem bei älteren Personen der voreingestellte Faktor der Akkomodation auf einen Meter auch zu Fehlangaben führen.
Das die refraktiven Daten des "i.profilers" eine andere Dimension haben, ist für mich kein Nachteil dieses Gerätes. Alleine die Mobilität spricht schon für sich. Ich finde, der Spezialist braucht unbedingt beide Geräte, denn sie ergänzen sich in den Aussagen ideal und gerade bei Kleinkindern und Säuglingen sind mit dem Autorefractor plusoptiX A09 alle notwendigen Parameter im Seh-Screening bestens erfassbar. Der begrenzte Messbereich von +5.0 bis -7.0 dpt ist einfach über die vorhandene Klientenbrille, oder über eine den Messbereich erweiternde Brille (von +3,00 dpt u.a.) nutzbar und kein Kriterium mehr zum Messabbruch. Nur der/die Fachmann/frau ist hier gefragt!
Obwohl der Hersteller angibt, am Ende der Messung werden Mittelwerte benannt, konnte dies bei meinem Gerät nicht stimmen. Hier wurde definitiv der zuletzt gemessene Messwert auch angezeigt. Dies ließ sich über abspielbare Videosequenzen bei der Pupille und beim HH-Reflex unschwer nachweisen.
Ich wünschte mir zudem eine Erweiterung in der Datenauswertung von der Videosequenz. Die Angaben zur Größe der Standartabweichung einzelner Messwerte und/oder deren Maximal- und Minimalwerte, neben den echten Mittelwerten würden mich freuen.
Dies macht Sinn bei allen Angaben außer bei der PD. Sollte gar der Transmissionsgrad vom Lichtstrom in der Pupillenöffnung messtechnisch in Abhängigkeit vom Durchmesser der Pupillen erfassbar sein, hätte man ein weiteres Kriterium für den grauen Star bzw. für Medientrübungen allgemein.
Jetzt warte ich auf ein Gerät mit Touchscreen und mit voller Speicherfähigkeit und hoffe bald beliefert werden zu können. Ansonsten will ich mir in der Zwischenzeit aber erst das (ich hoffe noch erhältliche) Vorgängermodell anlachen, da dies in meinen Augen die vollständigere Ausstattung hat. Verzichten möchte ich auf dieses feine Gerät und seine einmaligen Möglichkeiten in der Erfassung klientenspezifischer Daten jedenfalls nicht mehr lange!
Bei dieser Darlegung blieb der Schaueffekt, die Verblüffung selbst bei 2 bis 4 Monate alten Kindern Ergebnisse zu bekommen, völlig unberücksichtigt. Allerdings ist hier oft die monokulare Variante nutzbringend, da die Fixation des Säuglings in diesem Alter durch eine Messung nachweisbar(!) noch nicht stabil genug ist. Dies sollte jedoch schon ab ca. sechs Monaten kein Problem mehr sein. Einfach Super!
Nicht nur für das junge Klientel und deren Eltern ist dieses Gerät ein wichtiges Skreeningsinstrument, sondern darüber hinaus auch für meine Verantwortlichkeit als Augenoptiker / Optometrist und zur Abrundung als Erstanlaufstelle für Sehprobleme bleibt es auf Dauer unverzichtbar. – Hier pflichte ich Herrn Mothes, der dies immer gern betont, uneingeschränkt bei.
Übrigens sollte auch die Optikerversion diesen freundlichen J auf dem Messkopf haben. Denn selbst Erwachsene erfreuen sich dran,
- und fixieren besser!
Weitere Infos zum Gerät sind abrufbar unter www.plusoptix.de.
AR plusoptiX A09 in Funktion Foto - Firma PlusoptiX
